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Beschreibung
Dominik Bonatz

Der Tell Fecheriye liegt auf 40° 04´ 04 östlicher Länge und 36° 50´ 03 nördlicher Breite am Südrand der modernen Stadt Ras al-ʿAin im syrischen Regierungsbezirk Hasseke. Der Ortsname Ras al-‘Ain (arab. „Kopf der Quelle“) weist auf eine fruchtbare Region, das Quellgebiet des Habur, deren antike Zentren im Tell Fecheriye und dem davon nur 2 km entfernten Tell Halaf zu finden sind. Selbst in Trockenjahren liegen hier die Niederschläge im jährlichen Mittel bei 200-300mm, in besonders regenreichen Jahren steigen sie auf bis zu 800mm. Zusätzlich sorgen zahlreiche Karstquellen, in denen das unterirdisch aus den nördlichen Gebirgszonen des Tur ´Abdin (heute in der Türkei) gespeiste Grundwasser zutage tritt, für eine ganzjährige Wasserversorgung. Noch bis vor wenigen Jahren bot sich daher am Nordrand des Tells das Bild einer üppigen Auenlandschaft. Hier entsprang eine der ergiebigsten Karstquellen, deren Wasser einen östlich um den Tell führenden Zulauf des Habur versorgte. Dieser Zustand bot sich noch den amerikanischen Ausgräbern 1940 und ist den teils veröffentlichten (McEwan et al. 1958: Taf. 13), teils in den Archiven des Oriental Institutes Chicago befindlichen Grabungsaufnahmen zu entnehmen. Erst in jüngster Zeit ist durch die intensive Grundwasserentnahme für landwirtschaftliche Bewässerungsvorhaben ein dramatischer Rückgang der Quellaktivitäten zu verzeichnen. Der Wasserlauf am Tell Fecheriye ist erloschen, genauso wie zahlreiche der Quelltöpfe heute trocken liegen.

Neben optimalen Bedingungen der Wasserversorgung und fruchtbaren Böden für die Landwirtschaft bot die Lage des Tell Fecheriye seit alters Vorteile für Handel und Verkehr. Durch den Korridor, den der Jabal ‘Abd al-‘Aziz im Süden und der Tur ´Abdin im Norden bilden, verlief eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Assyrien und den nördlichen Gebieten der Levante sowie Anatolien. Die zeitlose Bedeutung dieser in den assyrischen Quellen als „Königsstrasse“ titulierten Verkehrsroute, spiegelt sich noch heute im Verlauf der „Bagdad-Bahn“, die Ras al-‘Ain als wichtige Bahnstation passiert und die Landesgrenze zwischen Syrien und der Türkei bildet. Ohne in die Geschichte des Tell Fecheriye weiter vorzudringen, kann somit von einer sowohl klimatologisch als auch geostrategisch begünstigten Lage ausgegangen werden, derer sich eine fortdauernde Siedlungspräsenz an dieser Stelle verdankt haben dürfte.

Google Earth KMZ-Datei