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Forschungsgeschichte
Dominik Bonatz

Die aktuellen Forschungen blicken auf eine Reihe älterer Untersuchungen zurück, die mit den ersten Unternehmungen des Diplomaten und Forschungsreisenden Max Freiherr von Oppenheim beginnen, der den Ort während seiner Grabungen auf dem Tell Halaf von 1911-1913 und 1927-1929 mehrmals besuchte.

Vermessungen durch Max Freiherr von Oppenheim (1929)
1929 entsendet Oppenheim die Architekten Felix Langenegger und Hans Lehmann, um eine Oberflächenerkundung und topographische Vermessung des Siedlungsgeländes vorzunehmen. Seine eigenen Pläne zur Durchführung von Ausgrabungen, die für 1939 geplant waren, scheiterten am Ausbruch des II. Weltkrieges.

Erste Grabungen unter der Leitung von Calvin McEwan (1940)
Die erste Grabungsgenehmigung geht stattdessen an ein vom Oriental Institute of Chicago und dem Museum of Fine Arts in Boston entsandtes amerikanisches Team unter der Leitung von Calwin McEwan. Die Ausgrabungen beginnen 1940, müssen aber im selben Jahr auf Drängen der Vichy-treuen französischen Mandatsverwaltung in Syrien wieder eingestellt werden.

McEwan verstirbt kurz nach Kriegsende und die Grabung wird nicht wiederaufgenommen. Die Ergebnisse der Kampagne sind aber von Mitarbeitern des Oriental Institutes publiziert worden (McEwan et al. 1958). Trotz ihrer kurzen Dauer haben die Grabungen einige bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. Die amerikanischen Grabungen bestätigen die Anlage eines römischen castellum innerhalb einer doppelt befestigten Stadtanlage, die die Ausgräber, einem älteren Vorschlag Oppenheims folgend, mit dem antiken Resaina identifizieren. Das in sounding IX freigelegte monumentale Gebäude wird als neuassyrischer Palast in Form eines bit hilani-Gebäudes interpretiert. Sounding VI erbringt Strukturen eines mittelassyrischen Hauses, in dem die Reste eines Tontafelarchivs aus der Regierungszeit Salmanassers I. (1263-1234 v. Chr.) und Tukulti-Ninurtas I. (1233-1197 v. Chr.) geborgen werden (Güterbock in: McEwan et al. 1958: 86-90).

Testschnitte von Anton Moortgat (1955-56)
1955 und 1956 sucht Anton Moortgat den Tell Fecheriye auf und führte drei Sondagen durch (Moortgat 1956, 1957, 1959). Der am höchsten Punkt des Tells westlich eines islamischen Grabmals gelegene sog. „Türbe-Schnitt“, ein am östlichen Rand des Tells gelegener „Ost-Schnitt“ und ein in das von der Expedition um McEwan zurückgelassene bit hilani-Gebäude aus sounding IX gesetzter Schnitt sollten an verschiedenen Stellen des Tells klären, wie leicht es möglich ist, in vermeintlich hurritische Schichten vorzudringen. Trotz der teilweise sehr vielversprechenden Grabungsergebnisse, die in den unteren Schichten der Sondagen Scherben der sog. Nuzi- und Habur-Ware und gut erhaltene Reste von Architektur ergaben (Moortgat 1957: 23; Hrouda 1961) und somit Anhaltspunkte für eine Besiedlung des Tells zur Zeit des Mittani-Reiches und während der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. lieferten, wurden die Forschungen bereits 1956 zugunsten des 60km weiter westlich gelegenen Tell Chuera eingestellt. Auf letzterem erhoffte man sich schneller in entsprechend interessante Schichten vorzustoßen.

Zufallsfund der Basaltstatue des Hadad Yis’i (1979)
Erst 1979 wird durch den Zufallsfund der Statue eines lokalen assyrischen Gouverneurs aus dem späten 9./frühen 8. Jh. v. Chr. die Diskussion um die historische Bedeutung des Tell Fecheriye neu entfacht. Diese, bei Planierarbeiten gefundene Basaltstatue ist mit einer zweisprachigen, akkadisch-aramäischen Inschrift versehen, in der berichtet wird, dass die Statue dem Wettergott, dem „Herrn des Habur“, in der Stadt Sikāni geweiht war. Die Frage, ob das Sikāni der Eisenzeit, mit dem Waššukanni der Späten Bronzezeit gleichzusetzen ist, drängt sich danach erneut auf. Die Bedeutung Sikānis als zentraler Kultort für den Wettergott und seine Gemahlin Šala lässt sich aufgrund eines anderen Textbeleges aus dem „Répertoire Géographique“ bis in die Ur III-Zeit an das Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. zurückverfolgen (Müller-Kessler/Kessler 1995: 240-241).

Zufallsfund einer römischen Monumentalstatue (1996)
1996 förderten Bauarbeiten am Nordrand der Unterstadt eine römische Monumentalstatue aus dem späten 2. Jh. n. Chr. zutage. Die Statue unterstreicht die Bedeutung der an dieser Stelle zu vermutenden Stadt Resaina (später Theodosiopolis). Die Stadt verfügt seit dem zweiten Viertel des 3. Jh. n. Chr. über ein eigenes Münzprägerecht, war ab 383 n. Chr. Bischoffsitz und ein wichtiger Militärposten an der byzantinisch-sāsānidischen Grenze (Castelin 1946).

Forschungen durch Alexander Pruß und ‘Abd al-Masih Bagdo (2001)
Ausgrabungen fanden erst wieder 2001 auf Initiative der Universität Halle-Wittenberg statt und wurden von einem deutsch-syrischen Team unter der örtlichen Leitung von Alexander Pruß und ‘Abd al-Masih Bagdo durchgeführt (Pruß/Bagdo 2002). Anknüpfungen an die von den Amerikanern 1940 ergrabenen Gebäudestrukturen in soundings VI und IX dienten im Wesentlichen der Überprüfung der Stratigraphie in diesem Bereich des Tells. Ein dritter Schnitt am Nordrand der Unterstadt diente der Untersuchung der spätantiken Stadtanlage in dem Bereich, der am stärksten durch moderne Eingriffe gefährdet war und in dem zuvor die Monumentalstatue gefunden wurde. Auch hier konnten aufgrund finanzieller Schwierigkeiten die Forschungen nicht fortgesetzt werden.

Der kurze forschungsgeschichtliche Überblick macht deutlich, dass die bisherigen, punktuell und zeitlich stets begrenzt erfolgten Forschungsaktivitäten die archäologische Bedeutung des Tell Fecheriye zwar bestätigen, doch kein konsistentes Bild seiner Siedlungsgeschichte vermitteln konnten.