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Forschungsprobleme
Dominik Bonatz/Peter V. Bartl

Bereits bei der Aufarbeitung der ersten Grabungstätigkeitender Expedition unter McEwan durch die Mitarbeiter des Oriental Institute wurden die Grenzen dessen erkennbar, was anhand der älteren Grabungsdokumentation noch rekonstruierbar ist, da 1940, nach dem überstürzten Aufbruch der amerikanischen Grabungsmannschaft große Teile davon verloren gegangen sind. Sowohl bei der Zuordnung von Funden zu Schichten und Fußböden besteht Unklarheit als auch bei den leider nur mangelhaft vorgelegten jüngeren Schichten über den bronze- und eisenzeitlichen Befunden. Auch in anderen Bereichen bleiben viele Fragen an den Befund unbeantwortet, wie z.B. die Frage nach der Funktion und genauen zeitlichen Stellung des bit hilani-Gebäudes.

Dabei besteht gerade in Bezug auf die in Tell Feḫerīye zu erwartenden Übergänge von der Ḫābūr-Ware (Alt-Ğezire II – III) zur mittanizeitlichen Keramik (Mittel-Ğezire Ia und Ib) sowie von letzterer zu den mittelassyrischen Schichten (Mittel-Ğezire II – III) ein besonderes Potential. Diese in ihren Zusammenhängen und gegenseitigen Einflussnahme immer noch nicht ganz erklärbaren Keramiktraditionen finden sich am Tell Feḫerīye in einer aufeinanderfolgenden Schichtensequenz, die es ermöglicht auch interne typologische Entwicklungen zu beobachten und in den überregionalen Kontext einzubinden.

Völlig neue Forschungsperspektiven eröffnen zwei 1940 bei den amerikanischen Ausgrabungen aufgelesene anthropomorphe Statuen, die erst neuerdings in einem vom B. Müller-Neuhof 2007 publizierten Artikel als früh-neolithisch eingestuft werden konnten. Ihr Fundort, einschließlich der großen Zahl an verstreut aufgefundenen neolithischen Steinartefakte, könnte auf die Lage einer durch Grabungen bislang nicht identifizierten Siedlung aus dem akeramischen Neolithikum hinweisen.

Neben der Tatsache, dass viele Funde, auch besonders spektakuläre wie die eisenzeitliche Hadad Yi’si-Statue oder die Monumentalstatue eines römischen Kaisers, oft keinen exakten Fundzusammenhängen zugewiesen werden können, stellt der Umstand, dass die Grabungsaktivitäten nie länger als eine Kampagne andauerten, ein entscheidendes Problem bei der Interpretation der Funde und Befunde dar. Selten wurden größere zusammenhängende Flächen freigelegt und auch stratigraphische Beobachtungen sind den der Zeit verschuldeten Grabungsmethoden meist zum Opfer gefallen. Wohlgleich haben alle bisherigen Kampagnen auf das ungeheure Potential, welches dieser Tell birgt, verwiesen, aber auch auf die Schwierigkeiten, dieses zu nutzen.